Intravesikale Mikrowellen-Hyperthermie Mitomycin-Chemotherapie

Wenn im Frühstadium des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms trotz Anwendung von Mitomycin oder BCG weiterhin Rezidive auftreten, wird in Folge irgendwann dem Patienten geraten, die Blase entfernen zu lassen. Studien  haben aber gezeigt, dass bei einem hohen Prozentsatz dieser Patienten der Tumor durch die intravesikale Hyperthermie-Instillations-Chemotherapie besiegt und damit die eigene Blase erhalten werden konnte. Bei der intravesikalen Hyperthermie-Instillations-Chemotherapie wird die Effektivität und Eindringtiefe des Chemotherapeutikums durch die Hitze in der Blase, die durch den im Katheter eingebauten Mikrowellensender kontrolliert erreicht wird, erhöht (Synergo ® - Therapie). Dadurch können bei der Blasenspülung auch versteckte, tieferliegende Tumorzellen erreicht werden, die zudem noch mehr geschädigt werden, als bei den bisherigen kalten Behandlungsmethoden. Die Hyperthermie-Instillation bietet sich bei Patienten an, deren Tumorklassifizierung pT1 G3 oder pTis nicht übersteigt, und bei Patienten, bei denen die Immuntherapie mit BCG nicht gewirkt hat oder die sie nicht vertragen haben.
Diese Behandlung zieht sich in der Regel über ca. 10 Monate hin, bei 12 bis 16 Klinikaufenthalten. Zu Beginn der Therapie findet einmal wöchentlich eine „Blasenspülung" statt und das 6 bis 10 Wochen lang. Danach erfolgt alle 6 Wochen eine weitere „Blasenspülung" und dies 6 mal. Eine Nacht in der Klinik ist jedes mal einzukalkulieren. Aber das nimmt man doch gerne in Kauf, um die Lebensqualität mit der eigenen Blase zu erhalten, auch die evtl. etwas längere Anfahrt. Denn das Dumme ist, dass in Deutschland die intravesikale Hyperthermie-Instillations-Chemotherapie derzeit nur über wenige Adressen möglich ist:

 


ACHTUNG: Die folgende Aufzählung (Synergo ® - Therapie) ist möglichst aktuell. Allerdings kann es sein, dass kurzfristig durch die Verwaltung einer Institution die Behandlung - aus Kostengründen - für Kassenpatienten unterbunden wird. Dies war bei den nicht mehr gelisteten Adressen der Fall. Das hat weder mit zu wenig Patienten, noch mit medizinischen Gründen zu tun, sondern hat nur betriebswirtschaftliche Gründe mit der Krankenkassen-Abrechnung. Die Geräte sind vorhanden, es gibt Europaweit positive Behandlungsergebnisse.

 

Hier die uns bekannten Behandler-Adressen (nach PLZ):


 

01307 Dresden, Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Urologie:
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred Wirth

Tel. 0351 458 2447
manfred.wirth@uniklinikum-dresden.de

Weitere Ansprechpartner:

Stefan.Propping@uniklinikum-dresden.de

Roman.Herout@uniklinikum-dresden.de

www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/uro

 

 

32429 Minden, Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie, Johannes Wesling Klinikum,  Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum:
Prof. Dr. med. Hansjürgen Piechota
Tel. 0571 790 3901
urologie-minden@muehlenkreiskliniken.de

Weiterer Ansprechpartner: Firas Abukora (FOA Urologie)
www.muehlenkreiskliniken.de/johannes-wesling-klinikum-minden/kliniken-institute/urologie.html

Bei Unverträglichkeit von Mitomycin wird alternativ Doxorubicin oder Epirubicin eingesetzt.

 

 

35392 Gießen, Universitätsklinik, Klinik+Poliklinik für Urologie:

Prof. Dr. med. Florian Wagenlehner

Dr. med. Gerson Lüdecke,
Tel. 0641 98544 -503

gerson.luedecke@chiru.med.uni-giessen.de

ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_uro/index.html

 

 

50937 Köln, Uniklinik, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie:
Prof. Dr. Axel Heidenreich
Tel. 0221 478-82 077

Ingeburg.Rossbach@uk-koeln.de

urologie.uk-koeln.de

 

 

53111 Bonn, Urologisches Zentrum Friedensplatz Bonn:
Dr. med. Matthias Schmidt

Dr. med. Herbert Hanitzsch
Tel. 0228 2272 470
info@urologisches-zentrum-bonn.de

www.urologisches-zentrum-bonn.de

Im Vorfeld der Hyperthermie-Instillation mit Mitomycin, Doxorubicin oder Epirubicin

wird ein Kostenübernahmeantrag bei der Krankenversicherung (auch Beihilfe) gestellt.

Dieser wird meist genehmigt, da nur ambulante Behandlung ohne stationäre Übernachtung.

 


60488 Frankfurt, Krankenhaus-Nord-West, Urologie und Kinderurologie:

Prof. Dr. med. Dr. hc. E. W. Becht

Leitender Oberarzt Ullrich Witzsch,
Tel. 069 7601 -3917, -3415
Chefarztsekretariat: fehlau.isabella@khnw.de

www.krankenhaus-nordwest.de/kliniken-und-medizinische-einrichtungen/urologie-und-kinderurologie.html

 

 

92637 Weiden, Klinikum Weiden, Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie:
Prof. Dr. med. T. Klotz
Prof. Dr. med. Dr. phil. Th. Bschleipfer
Tel. 0961 3303 3302
vanessa.siegert@kliniken-nordoberpfalz.ag
www.kliniken-nordoberpfalz.de/klinikum-weiden/urologie

 


  ૪   Zum Update dieser Auflistung bitten wir um Meldung an Franz Hagenmaier


 

Leider assoziiert die Bezeichnung "Hyperthermie" dass der Körper von aussen erwärmt würde und steckt damit diese Behandlungsmethode in die falsche Schublade.
Zwischenzeitlich wird diese Methode "Wärmetherapie" bzw. "Thermotherapie" genannt, da ja das Chemotherapeutikum in der Blase bzw. außerhalb der Blase erhitzt wird und dadurch tiefer und besser wirkt.

 


 

Der Selbsthilfe-Bund-Blasenkrebs e.V. veröffentlichte in seiner Verbandszeitung "Die Harnblase" in Ausgabe 2 / 2009 einen Bericht von Winfried Sowa und Franz Hagenmaier über die Synergo-Hyperthermie-Chemotherapie. Sie können sich den Bericht hier als .pdf-Datei direkt ausdrucken (ACHTUNG: Behandler-Adressen nicht mehr aktuell !).

 

Die komplette Verbandszeitung Ausgabe 2 / 2009  im .pdf-Format mit dem o.g. Original-Bericht können Sie hier lesen. Aktuelle Behandler-Adressen siehe oben.

 

Die Zusammenfassung der im Bericht genannten Studien finden Sie hier

 

Lesen Sie auch den Bericht über das Harnblasenkarzinom Symposium, sowie aus dem Online-Forum-Blasenkrebs den Bericht "Hyperthermie Chemotherapie nach der Synergo-Methode in Gießen" mit der Stellungnahme von Herrn Dr. Lüdecke über die Grenzen und Risiken der organerhaltenden Therapie in diesem Link.

 

Alle Studien von 1991-2014 (englische Kurzfassungen) siehe hier und aktuelle Studien bis 2016 auch hier.

 

Das Poster mit der Zusammenfassung (englisch) der Ergebnisse von 271 ablativen Behandlungen zwischen 2000 und 2013 - Dr. Lüdecke et al. - können Sie hier herunterladen.

 

Die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie zum Vergleich Intravesikale Chemohyperthermie mit Mitomycin C versus BCG für die adjuvante Behandlung von Patienten mit mittlerem und high Risk nichtmuskelinvasiven Blasenkrebs (2016) Tom J.H. Arends at al. können Sie hier herunterladen.

 

Weitere Infos über das Synergo®-System mittels Links zum Internetauftritt des Herstellers: Informationen zur Synergo®-Therapie und Informationen zu medizinischen Publikationen zur Synergo ®-Methode siehe auf den Hersteller-Internetseiten hier.

Diese Reports wurden uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt:

 

 


 

Warum der Gemeinsame Bundesausschuss die interstitielle Hyperthermie bei Blasenkrebs - wie die vielen anderen Hyperthermie-Anwendungen bei anderen Krebserkrankungen auch - nicht als Kassenleistung zugelassen hat, lesen Sie in dieser Pressemitteilung aus 2005. Zum Zeitpunkt der Literaturrecherche standen für Blasenkarzinome nur wenige wissenschaftliche Studien zur Verfügung und in keiner Leitlinie zu Blasentumoren war die Hyperthermie erwähnt. Dadurch wurde der Stellenwert dieser Behandlung als unklar eingestuft. Fazit siehe hier. Damit kann diese Behandlung auch heute noch nicht ambulant über die Krankenkasse, sondern nur in Studien angewendet und abgerechnet werden. Dies ist auch in der aktuellen S3-Leitline "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms" so festgeschrieben worden, und deshalb wird die Möglichkeit der Thermo-Anwendungen in der "Patientenleitlinie Blasenkrebs" (Mai 2017) dort nicht erwähnt.

 


 

Neben der Synergo ® Methode gibt es in Deutschland weitere Thermo-Therapien, bei denen das Chemotherapeutikum jedoch außerhalb der Blase erhitzt wird. Manche Urologen glauben, dass das Erhitzen der Blasenwand durch Mikrowellen von den Patienten per se nicht gut toleriert wird. Da dies technisch sehr aufwendig und die Behandlung teuer ist, wurden Geräte entwickelt, die nur durch Spülung mit ausserhalb des Körpers erhitztem Chemotherapeutikum einfacher sind und dadurch kostengünstiger sein können. Das Chemotherapeutikum wird mit voller Hitze ungekühlt durch die Harnröhre gepresst. Weil hier die Blasenwand nur durch das erhitzte Chemotherapeutikum erhitzt wird, und nicht durch Mikrowellen, soll das Ergebnis nicht so effizient sein. Aber immerhin besser als die kalte Anwendung. ACHTUNG: Die bei diesen einfacheren Produkten angegebenen medizinischen Studien beziehen sich z.Zt. jedoch zum Teil auf Studienergebnisse mit der intensiveren Synergo ® - Methode.
Über diese einfacheren Hyperthermischen Intravesikale Chemotherapie - Methoden (HIVEC) können Sie sich über folgende Hersteller-Links informieren:

  • Combat:

Weitere Informationen über dieses System und die Liste der mittlerweile über 15 in Deutschland im Einsatz befindlichen HIVEC-Geräte::


https://hivec.co.uk/patient-area/bladder-cancer-deutsch/

 

www.medac.de/infos-patienten/erkrankungen/krebserkrankungen/krebserkrankungen/information/blasenkrebs/

 

Broschüre mit Behandler Adressen:

 

http://daten.verwaltungsportal.de/dateien/news/2/3/8/9/6/8/combat_hivec_patientenbroschuere.pdf

 

Link zu englischer Broschüre und Video:
 

http://www.combat-medical.com/wp-content/uploads/2012/10/COMBAT_BRS_BROCHURE_EN_20131.pdf

 

https://hivec.co.uk/wp-bits-and-bobs/uploads/2018/07/Combat_BRS_Web.mp4

 

Die Urologie der Uniklinik Aachen hat dieser Methode eine eigene Internetseite gewidmet: 

https://www.ukaachen.de/kliniken-institute/klinik-fuer-urologie/klinik/hivec.html

 

Zu einer klinischen Pilotstudie mit intravesikalem Mitomycin-C und externer Hyperthermie im tiefen Beckenbereich bei nicht muskelinvasivem Blasenkrebs:

https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.3109/02656736.2014.882021

 

 

  • PelvixTT

http://www.pure-medical-device.com/de/pure-urologie/blasen-krebs.html
 


In Erlangen wurde die Organ- und funktionserhaltende Radiochemotherapie mit Tiefenhyperthermie des oberflächlichen und muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms als Alternative zur primären Zystektomie weiterentwickelt. Diese Vierfachtherapie besteht aus

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19837472

Sie wird dort an der Strahlenklinik

http://www.strahlenklinik.uk-erlangen.de/

und an der Uniklinik Frankfurt (Strahlenklinik)

http://www.kgu.de/kliniken-institute-zentren/einrichtungen-des-klinikums/kliniken/zentrum-der-radiologie/strahlentherapie/strahlentherapie/unsere-klinik.html

angewendet.


 

Weitere Therapie-Optionen bei oberflächlichem Blasenkarzinom siehe "Das Harnblasenkarzinomrezidiv nach BCG-Instillationstherapie": Der Urologe 2012/9 Seite 1209-1219

 

 

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